Lichtenau in Zahlen - Heimatverein-Medicus

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Lichtenau in Zahlen

Geschichtliches

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Lichtenau in Zahlen

Lichtenau, die Stadt mit den sieben Türmen.

Von Ludwig Uibel mit Ergänzungen von Ernst Decker

1273

Konrad III., ein Lichtenberger, wird Bischof von Straßburg. Er gibt dem Hause Lichtenberg die Dörfer des späteren Stabes Bischofsheim zu Lehen: Bodersweier, Zierolshofen, Leutesheim, Linx, Holzhausen, Diersheim, Hausgereut, Bischofsheim, Freistett, Renchenloch.

1298

Lichtenau wird aus den Quadersteinen der abgebrochenen Burg Krax gebaut. Das Gebiet der Abtei Schwarzach südlich des Schwarzbachs (das spätere Gericht Lichtenau einschließlich Memprechtshofen) wird von den Lichtenbergern gekauft.

1300

Am 14.Januar erhält Lichtenau von König Albrecht I. die Stadtrechte.

1300

Am 1.Februar erhält Lichtenau von Johannes I. von Lichtenberg den Freiheitsbrief

1315-1369

Johannes I. stirbt 1315. Das Erbe fällt an die Brüder Ludwig III. und Johannes III.

1341

Ludwig III. erwirbt im Elsaß die Dörfer Offendorf Herrlisheim und Rohrweiler. Diese bilden als Stab Offendorf bis 1682 einen Teil des Amts Lichtenau. Im Jahre 1420 kommt noch Drusenheim dazu.

1349

Ein Pestjahr mit vielen Toten.

1389-1394

Heinrich IV. regiert und wohnt bis 1390 in Lichtenau.
Der Kaiser verleiht den Lichtenbergem das Geleitrecht auf den Straßen des Amts Lichtenau, desgleichen das Recht, bei Grauelsbaum eine Fähre zu betreiben und dort den Rheinzoll zu erheben.

1394-1434

Ludwig IV. regiert. Er wird Schirmvogt der Abtei Schwarzach und gerät in Streit mit der Abtei. Das Konzil in Konstanz belegt ihn deshalb mit dem Bann und das Land mit dem Interdikt.

1422

Vertrag von Baden. Dieser regelt das Verhältnis zwischen Abtei und Lichtenberg. Lichtenberg wird Oberbannherr im Fünfheimburgerwald, verliert aber die Schirmvogtei an den Markgrafen von Baden.

1434 1480

Die Brüder Jacob I. und Ludwig V. regieren gemeinsam. Jacob I. überläßt die Politik seinem Bruder. Dieser gewinnt die Leininger Fehde. (Bärbel von Ottenheim).

1480 1570

Zweierherrschaft (Kondominium) Hanau- Lichtenberg und Zweibrücken-Bitsch. Das Haus Lichtenberg stirbt in der männlichen Linie aus. Das Erbe fällt an die beiden Töchter Ludwigs IV, Anna und Else bzw. deren Ehemänner Philipp I. von Hanau-Lichtenberg und Simon Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Jedes Amt erhält zwei Amtmänner, einen hanauer und einen bitscher. Regierungszeiten der hanauer Linie: Philipp I, 1480, Philipp II. 1480-1504, Philipp III. 1504 1538.

1525

Der Bauernkrieg: Die Bauern, darunter auch 120 vom Gericht Lichtenau, stürmen die Abtei Schwarzach und plünderten sie. Zu Renchen wird ein Vertrag geschlossen und bald wieder gekündigt. Die Bauern werden bestraft. Lichtenau verliert Privilegien.

1538 1590

Philipp IV., ein beliebter und fähiger Regent herrscht.

1554

Er kauft von der Abtei Schwarzach den Zehnten des Kirchspiels Scherzheim.

1555

Philipp IV. führt im Gericht Lichtenau die Reformation ein (Augsburger Religionsfrieden). Ulm scheidet aus dem Kirchspiel aus. Der Sitz des Pfarrers wird von Scherzheim nach Lichtenau verlegt.

1570

Das Haus Hanau-Lichtenberg beerbt das Haus Zweibrücken-Bitsch. Die Zweierherrschaft ist zu Ende. Von jetzt ab kann man das Land Hanauerland nennen. Jetzt hat Philipp IV. freie Hand für die Reformation im ganzen Land, denn das Haus Bitsch wollte sie nicht.

1575

In Lichtenau wird eine Schule für das ganze Kirchspiel eingerichtet (D.Lieb).

1590-1599

Regierungszeit Philipps V. Er war ein hochstudierter Herr.

1599-1625

Regierungszeit Reinhards 1. Ein Barockfürst mit den typischen Untugenden: Wohlleben, eine aufgeblähte Beamten  und Dienerschaft. Macht hohe Schulden.

1600

Der Schulunterricht wird von einem Diakon übernommen, der als Theologe Vertreter des Pfarrers ist. Das Diakonat währt bis 1746.

1603

Neubau der Kirche. Das neue Kirchenschiff mißt 20 x 17 Meter. Der Turm wird von der alten Kirche übernommen. Allianzwappen beim Portal.

1618

Der 30jährige Krieg beginnt

1620

Schanzenbau beim Ober  und beim Untertor (Fricke Schanz).

1621-1622

Mansfeld kämpft im Unterelsaß. Sicherung der Rheingrenze durch die Stände der Ortenau

1622

Der Bischof von Straßburg besetzt mit seinen Truppen Lichtenau

1625-1641

Graf Philipp Wolfgang regiert

1630-1632

König Gustav Adolf greift in den Krieg ein. Er gewinnt die Schlacht bei Breitenfeld (1631).

1631

Lichtenau wird von kaiserlichen Truppen besetzt.

1632

Die Schweden stehen bei Mainz. Graf Philipp Wolfgang wirbt Truppen und befreit Lichtenau von der lothringischen Besatzung.

1632

(20.April): Lichtenau mit schwedischer Besatzung, wird von kaiserlichen Truppen erobert und total niedergebrannt. Das Schloß bleibt unversehrt. Die Einwohner fliehen in die Nachbardörfer und auf die Rheininseln. Es herrscht ein unbeschreibliches Elend. Bei Kriegsende lebt noch ein Drittel der Einwohner.

1644

Prinz Conde von Frankreich erobert den Stützpunkt Lichtenau (Bild

1648

Der westfälische Frieden wird geschlossen. Das Schloß brennt ab.

1641-1685

Friedrich Casimir ist nach dem Tode seines Vaters Philipp Wolfgang 1641 noch nicht volljährig. In den Ämtern Willstätt und Lichtenau übernimmt sein jüngster Bruder Reinhard als Regent und Nutznießer 1652 die Regierung.

1652-1666

Reinhard II. Er baut sich in Bischofsheim ein Schloß. Er ist sehr beliebt und wird "Der Wohltäter" genannt. Er leitet den Wiederaufbau

1656

Die wieder erbaute Kirche wird eingeweiht. Die Mühle, die "Krone" und der "Ochsen" entstehen wieder. Die Tortürme werden erneuert, der Stadtgraben ausgeräumt.

1666-1688

Nach dem frühen Tode von Reinhard II. nimmt dessen Witwe Anna Magdalena tatkräftig die Zügel der Regierung in die Hand und bewahrt das Land vor dem finanziellen Ruin.

1672-1679

Der niederländische Krieg. Noch in dieser Zeit beginnt Ludwig XIV. den ersten seiner Eroberungskriege. Lichtenau bleibt unversehrt.

1688-1736

Reinhard III. Mit erreichen der Volljährigkeit übernimmt der jüngste Sohn von Reinhard II. als Johann Reinhard III. die Regierung. Die erste Hälfte seiner 48 jährigen Regentschaft war von Kriegen geprägt.

1688-1697

Der Pfälzer Krieg: Ludwig XIV. greift wieder an. Dabei wird Lichtenau am 12. Sept. 1689 zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert in Brand gesteckt und total in Schutt und Asche gelegt. Aber auch die Kirchspielorte Scherzheim, Helmlingen und Grauelsbaum werden zerstört (Muckenschopf bleibt verschont). Eine Flucht in diese Orte ist unmöglich. Die Leute fliehen ins Elsaß, ins Bühlertal und auf die Helmlinger Rheininseln. Ein zweiter Wiederaufbau kann nur mit primitivsten Mitteln erfolgen, denn die Ressourcen sind aufgezehrt (Strohdächer etc.).

1701-1714

Zu allem Unglück beginnt 1701 ein neuer Krieg (Spanische Erfolge). Der Wiederaufbau zieht sich über Jahrzehnte hin. Die Kirche erhält erst 1714 nach 25 (!) Jahren Altar, Kanzel und Stühle. Die Tortürme erhalten kein neues Dach. Der Stadtgraben wird mit dem Schutt aufgefüllt und als Garten genutzt. Die verwilderten Äcker werden gerodet. Einwanderer vor allem aus der Schweiz und Württemberg kommen

1733-1735

Polnischer Erbfolgekrieg.

1740-1748

Österreichischer Erbfolgekrieg. In beiden Kriegen leidet Lichtenau zwar nicht unter Kampfhandlungen, aber Durchmärsche, Einquartierungen und Requisitionen belasten das Land. 1734 wird Lichtenau von den Franzosen geplündert.

1736

Reinhard III. stirbt. Erbin der Grafschaft ist seine einzige Tochter Charlotte Christine. bzw. deren Ehemann (ab 1739) Landgraf Ludwig VIII. von Hessen- Darmstadt. Die Grafschaft Hanau- Lichtenberg bleibt selbständig und bildet mit Hessen- Darmstadt eine Personalunion.

1741

Volljährig übernimmt der Enkel Reinhards III. als Erbprinz Ludwig lX. die Regierung. Residenz bleibt Buchsweiler. 1745 47: Der Erbprinz ist auf das Soldatenwesen versessen und baut in Lichtenau zwei Kompanien einer Grenadiergarde auf, die 1747 nach Pirmasens verlegt wird. 1746: Scherzheim mit Muckenschopf wird ein eigenes Kirchspiel. 1747 90: Der Erbprinz Ludwig IX. Ab 1768 auch Landgraf von Hessen-Darmstadt, baut in Pirmasens eine Soldatenstadt auf mit zuletzt (179o) 2ooo Grenadieren in zwei Regimentern. Viele Bürgersöhne aus dem rechtsrheinischen Hanauerland leisten dort ihren Wehrdienst ab (z.B. J.J. Lauppe).

1754

Lichtenau erhält einen eigenen Friedhof (Initiative: Pfarrer Neßler).

1790-1803

Ludwig X., der Erbe Ludwigs IX. löst die Gamison Pirmasens auf. Sie verbrauchte das halbe Steueraufkommen.

1792

Die französische Revolution zwingt die Buchsweiler Regierung zur Flucht nach Darmstadt. Lichtenau verliert den Sitz des Amtmanns.

1796

Französische Revolutionstruppen besetzten Lichtenau. Es kommt zu Plünderungen. Im Herbst vertreiben Österreicher die Franzosen und bleiben im Winterquartier.

1797

Im Frühjahr kommen wieder Französische Truppen bis Lichtenau. Ein Waffenstillstand stoppt ihren Weitermarsch

1799

Im Frühjahr besuchen Patrouillen beider Seiten Lichtenau. Ein Dragonerregiment lag vier Wochen im Quartier. Der Friede von Luneville macht den Rhein zur Reichsgrenze.

1803

Das rechtsrheinische Hanauerland wird badisch. Der neue Landesherr ist Markgraf Karl Friedrich. Die Markgräfin Karoline Luise ist eine Enkelin von Reinhard Ill.

1806-1814

Das neue Großherzogtum Baden tritt dem Rheinbund bei. Es stellt Napoleon Truppen für Feldzüge in Österreich, Spanien und Rußland. Weihnachten 1813: Lichtenau hat Einquartierung von Kosaken. Waterloo beendet die Ära Napoleon. Lichtenau verkauft Gemeindegüter, um die Kriegsschulden abzutragen. Die badischen Behörden lassen die Reste der Stadtbefestigung abtragen (Tortürrne, Schloßtürme, 1826 auch den Streckturm).

1825

Das Kirchenschiff von 1603 wird um zwei Meter erhöht. Der Turm von 1300 wurde bereits 1773 um vier Meter aufgestockt

1833

Die neue badische Gemeindeordnung gewährt weitgehende Selbstverwaltung der Gemeinden.

1816-1817

Ein nasser Sommer 1816 vernichtet die Getreideernte. Große Hungersnot 1816 17.

1848-1849

Die badische Revolution erfaßt auch Lichtenau. Sechs Wochen lang (14.Mai 1.Juli) leiten Revolutionsausschüsse das politische Leben. Nach der Niederlage von Waghäusel begibt sich die Lichtenauer Bürgerwehr größtenteils auf den Heimweg. Fünf Hochverrats Prozesse folgen.

1830-1870

Über 300 Auswanderer, meist ganze Familien, reisen nach den USA.

1827-1890

Die Seidenweberei Bleuler schafft in Lichtenau bis zu 70 Arbeitsplätze. Der mechanische Webstuhl macht sie unrentabel.

1860-1870

Ein Jahrzehnt der Vereinsgründungen (Gesangverein, Turnverein Feuerwehr

1870-1871

Der deutsch französische Krieg. 38 junge Männer von Lichtenau nehmen an den Kämpfen teil. Sie kehrten alle unversehrt in die Heimat zurück,

1895-1939

Die Korbmacherei gibt neue Arbeitsplätze. Sie ist arbeitsintensiv und daher heute nicht mehr konkurrenzfähig

1914-1918

Der 1. Weltkrieg, Lichtenau hat viele Gefallene zu beklagen. Kaiser und Großherzog danken ab, Baden wird Republik. Armut - wieder viele Auswanderer

1935

Aberkennung der Stadtrechte wegen zu kleiner Einwohnerzahl

1938

Die Lichtenauer Juden wurden ins Lager Gurs in Frankreich deportiert und später von dort in das Vernichtungslager Auschwitz

1939

Ausbruch des 2. Weltkriegs. Erste Evakuierung Lichtenaus.

1944

Zweite Evakuierung (23. November) der Bevölkerung  (Landwirte nach Sasbach und Sasbachwalden, übrige um den Bodensee), Stadt unter Artilleriebeschuß vom Dezember 44 bis April 45.

1945

(4.Januar 1945) Luftangriff mit Sprengbomben. (24.März1945) Luftangriff mit Brandbomben. Es brannten 34 Gebäude. 21 wurden vollständig zerstört, 23 schwer, 56 mittelschwer und 171 leicht (bis ca. 25%). Lichtenau hatte 216 Kriegsteilnehmer davon 44 gefallen und 20 vermißt.
(13 April) Besetzung durch die Franzosen

1946

Rund 135 Flüchtlinge aus Kehl lebten in Lichtenau. (Kehl war von den Franzosen als französisches Territorium beansprucht worden)  Beginn des Wiederaufbaus, soweit Baumaterial vorhanden.

1947

ca. 365  Heimatvertriebene aus dem Osten mußten in Lichtenau und den Stadtteilen untergebracht werden

1948

Die Währungsreform brachte die Wende. Die staatliche Bewirtschaftung von Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern entfällt. Es gibt fast alles wieder zu kaufen - nur das Geld war knapp - Jeder erhielt ein Startkapital von DM 40.--

1952

Wiederverleihung der Stadtrechte und 650-Jahrfeier

1964

100 Jahre TV Lichtenau. Erstes gemeinsames großes Turn- und Heimatfest Fest der Lichtenauer und Ulmer. Geburtsstunde des heute noch in alle Welt verschickten Heimatgrußes.

1971

Der Landtag beschließt die Kreisreform. Scherzheim schließt sich 1972 Lichtenau an und kommt damit einer Zusammenlegung von oben zuvor. In den nächsten Jahren folgen Ulm, Muckenschopf und Grauelsbaum diesem Beispiel. Damit schließt sich der Kreis. Das "Amt " Lichtenau" ist in andrer - verkleinerter Form wieder "auferstanden", allerdings ohne "Gericht".

.Die Angaben zu obiger Kurzfassung der Geschichte Lichtenaus sind Auszüge von:
 
1. Ludwig Lauppe, Burg, Stadt und Gericht Lichtenau, 2.Aufl. Bühl 1998.
2. Johannes Beinert, Die Geschichte des badischen Hanauerlandes. Kehl 1909.
  

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